Günnemann-Kotten, Witten-Rüdinghausen
Auftrag:
Programm „Qualifizierung des bürgerschaftlichen Engagements“ (QbE) des Ministeriums für Um-welt, Naturschutz und Verkehr NRW
Träger:
Günnemann-Kotten e. V.
Kooperationen: Universität Witten/Herdecke, NaWit, Stadtbibliothek Witten, Bergische Gartenarche, Grü-ne Perle u. a.
Beratung:
startklar a+b GmbH
Laufzeit:
2024–2025
Website:
guennemann-kotten.de
Günnemann-Kotten, Witten-Rüdinghausen
Ein Bildungs- und Begegnungsort mit Geschichte – getragen von bürgerschaftlichem Engagement
Am Rand von Witten, im Stadtteil Rüdinghausen, liegt der Günnemann-Kotten, ein denkmalgeschützter Fachwerkhof mit Garten, Bachlauf und Streuobstwiese. Das Ensemble ist eines der letzten Zeugnisse der einst bäuerlich geprägten Landschaft und zugleich Ausdruck eines bemerkenswerten zivilgesellschaftlichen Enga-gements.
Der Verein Günnemann-Kotten e. V. erwarb 2019 das stark sanierungsbedürftige Gelände in einer Zwangsver-steigerung – getragen von Spenden, Nachbarschaftshilfe und dem Willen, den Hof als Ort der Teilhabe, Bil-dung und Nachhaltigkeit zu erhalten. Seitdem entsteht hier ein offener, generationenübergreifender Lern- und Begegnungsort – im Dialog mit der Nachbarschaft und getragen von freiwilligem Engagement.
Drei Säulen prägen das Projektprofil
• gelebte Geschichte
• ökologische Nachhaltigkeit
• gesellschaftliche Teilhabe
In enger Begleitung durch startklar a+b wurde 2024 im Rahmen des Landesprogramms „Qualifizierung des bürgerschaftlichen Engagements“ des MUNV NRW ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickelt. Geplant sind u. a.:
– offene Bildungsformate zu Umwelt, Ernährung, Handwerk
– Repaircafés, Workshops, Tagungen
– ein Kinderforschungslabor im ehemaligen Gänsestall
– ein gemeinschaftlich bewirtschafteter Garten
– Ausstellungen und Archive zur lokalen Geschichte
Die Räume des Hofes, z.B. die historische Deele, die Hofküche, die Arbeitsräume sowie die Außenbereiche mit Gemüsegarten und Streuobstwiese werden gemeinschaftlich genutzt. Auch ein begleitender Cafébetrieb ist angedacht. Die Räume sind zum größten Teil so angelegt, dass sie flexibel und multifunktional nutzbar sind, sodass auch für wechselnde Bedarfe Sorge getragen wird.
Organisationsentwicklung mit Weitblick
Parallel zum Gebäude wurde die Vereinsstruktur „renoviert“. In mehreren Workshops wurden Entschei-dungsprozesse reflektiert und weiterentwickelt, hin zu einer handlungsfähigen und zeitgemäßen Struktur. Dabei sind neue Gremien, Verantwortungs- und Kommunikationslinien entstanden, darunter u.a. der „Vor-stand Plus“, Arbeitsbereiche und Arbeitskreise sowie ein offenes, niederschwelliges Plenum: der „Lange Tisch“. Klare Entscheidungsprinzipien und -strukturen sollen dabei helfen, die Vereinsarbeit trotz des schnel-len Wachstums effizient zu gestalten, Entscheidungswege zu verkürzen und zu vereinfachen, ohne dabei ein zentrales Merkmal des Kottens zu verlieren: den Mut zur „bekloppten Idee“.
Ausblick
Der Günnemann-Kotten zeigt, wie aus einem historischen Zeugnis ein lebendiger Zukunftsort werden kann: getragen von Bürger*innen, die Verantwortung übernehmen, weiterdenken und anpacken.
Während im Gebäude nun der Innenausbau losgeht, stehen die Strukturveränderungen im Verein auf Bewäh-rungsprobe. Mit einer Neuerung der Organisation und einem erweiterten Verantwortungsverständnis hat der Günnemann-Kotten bereits wichtige Schritte in Richtung Professionalisierung getan. Die Herausforderung besteht nun darin, das vorhandene Engagement und die Einsatzbereitschaft für das Projekt langfristig und über einen Generationenwechsel hinweg zu sichern. Entscheidend dafür sind belastbare Strukturen, realisti-sche Finanzierungsmodelle und eine Kultur des Miteinanders.