„Jägerhof“, Bergneustadt

Wer denkt bei der Rechtsform Genossenschaft nicht auch eher an Banken, Landwirtschaft oder Wohnen als an Kulturveranstaltungen!? Ein Blick nach Bergneustadt im Oberbergischen verdeutlicht, dass sich ein genossenschaftlicher Zusammenschluss auch für kulturelle Zwecke lohnt. Im Fokus des dortigen „Dritte Orte“-Projektes steht der Jägerhof, eine mehr als 100 Jahre alte urige Traditionskneipe inmitten der Altstadt, die seit jeher wichtiger Treffpunkt für Generationen von Einheimischen ist. Abgesehen vom Tanz in den Mai, Konzerten und Theatervorstellungen wurden hier viele familiär geprägte Feste gefeiert: Hochzeiten, Geburtstage und – in der Region geradezu legendär – der Jahreswechsel mit dem beliebten Würfelspiel Dobbeln.

Unzählige Erinnerungen verbinden die Menschen in und um Bergneustadt mit dem Jägerhof. Er ist ein Ort, mit dem sie sich stark identifizieren. Das ist auch wesentlicher Grund dafür, dass sich die Stadt, bestärkt durch die Bürgerschaft, dafür einsetzt, den Fachwerkkomplex Jägerhof zu erwerben; der letzte Besitzer wollte ihn aus Altersgründen abgeben. Da der Jägerhof ein wichtiger Baustein des „Zukunftsquartiers Altstadt“ im Rahmen der Stadtentwicklung ist, soll er mit Hilfe von Städtebaufördermitteln erworben und damit für das Gemeinwohl gesichert werden.

An diesem Punkt kommt nun die Genossenschaft ins Spiel: Die Bergneustädter haben sich von Beginn an aktiv an Planung und Umsetzung des Projekts beteiligt. Sie haben eigens dafür eine gemeinnützige Bürgergenossenschaft Jägerhof eG gegründet, die künftig die Fachwerkkneipe mit dazugehörigem Gebäudeensemble und Garten als Dritten Ort betreibt. Diese Rechtsform ermöglicht es allen Interessierten, Genossenschaftsanteile zu erwerben und gibt ihnen damit ein direktes Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht, wenn es um Zukunftsentscheidungen für das Projekt geht.

Projektträger: Stadt Bergneustadt / Genossenschaft Jägerhof gG

Räume und Nutzungsbausteine: historischer Gebäudekomplex u.a. mit einer Fachwerk-Traditionsgaststätte, großem Veranstaltungssaal, Garten und Kursräumen für Kulturveranstaltungen (u.a. Konzerte, Kabarett), Kreativ- und Bildungsangebote, Makerspace, Seminare und Vereinsprojekte

Weitere Informationen unter: www.jaegerhof-bergneustadt.de


 

    Das Nutzungskonzept für die ehemalige Kneipe ist geprägt durch einen vielfältigen Mix aus einerseits niedrigschwelligen, kostenlosen Bildungs- und Kulturangeboten für eine breitere Öffentlichkeit sowie andererseits eher experimentellen Events für kulturerfahrene und gehobene Ansprüche. Künftig soll es kostenlose offene, gemeinwesenorientierte Angebote geben, die die (Persönlichkeits-)Bildung und Kreativität fördern sowie außerschulisches Lernen ermöglichen. Ergänzend stehen kulturell-künstlerische Veranstaltungen mit Theater, Konzerten und Tanz auf dem Programm. Letztere sollen durch Eintritte und Saalmieten die Wirtschaftlichkeit des Hauses sichern.

    Die Wirkung des Projekts bleibt nicht auf Bergneustadt beschränkt, sondern strahlt auch in die Region aus. Der Jägerhof bildet besonders mit den kostenlosen Angeboten eine ideale Ergänzung zu größeren und eher klassisch kulturellen Veranstaltungen in der Region Oberberg. Mit dem regionalen Bezug zu Nachbarkommunen wie Gummersbach und Wiehl ist der Jägerhof ein innovatives neues Projekt, mit dem sich Bergneustadt auch in das Strukturförderprogramm „Regionale2025 – Bergisches RheinLand“ erfolgreich einbringen kann.